Enttäuschendes Ergebnis zum Saisonende auf einer meiner Lieblingsstrecken

18.11.2008 – Nach wirklich guten Zeiten in den freien Trainings konnte ich leider im Zeittraining und in den Rennen meine Performance nicht zeigen und bin in Macao leider punktelos geblieben.

Ein zehnter Platz im ersten Rennen und ein Unfall im zweiten Rennen waren leider nicht genug, um mich in der Meisterschaft noch mal zu verbessern.

Zusatztraining
Wow, ein Traum wieder in Macau zu fahren. Schon das Herausfahren aus der Box war wie wieder zu Hause zu sein. Ich liebe diese Strecke! Mein Auto hat, trotz der ganzen Freude wieder auf meiner Lieblingsstrecke zu fahren, viel zu stark untersteuert. Das ist zwar für die ersten Runden nicht schlecht, damit man mehr Vertrauen zum Auto bekommt, man kann aber mit einem so abgestimmten Auto nicht unbedingt um Bestzeiten kämpfen. Wir sind zuerst sechs Runden am Stück mit alten Reifen gefahren, um einen Rhythmus zu bekommen. Für die letzten paar Minuten haben wir dann aber neue Reifen aufgelegt, um zu sehen wie das Auto darauf reagiert. Leider bin ich mit den neuen Gummis in Verkehr gekommen und konnte die Reifen nicht nutzen. Ich war zum Schluss so nur Fünfzehnter, was aber nicht wirklich die Position darstellte an der ich eigentlich stehen sollte!

Erstes freies Training
Vor uns sind nur die Motorräder gefahren, weshalb die Strecke in unserem ersten Training noch recht dreckig war. Im ersten Outing habe ich mit Augusto Windschattenfahren geübt, das auch gleich gut geklappt hat. Mein Auto war zu gestern ein ganzes Stück besser und hat in der Stadt nicht mehr so stark untersteuert. Nach zehn Minuten gab es eine rote Flagge, weil ein Auto in der Mauer stand. Zu diesem Zeitpunkt war ich Schnellster. Wir haben noch eine kleine Veränderung an den Stoßdämpfern gemacht und ich konnte meine Zeit noch mal verbessern. In meiner dritten Runde hab ich mich in Turn eins verschaltet und bin deshalb in die Box zurückgekommen. Am Ende des Trainings war ich immer noch Zweitschnellster, obwohl die Strecke zum Schluss immer schneller wurde.

Zweites freies Training
Das zweite freie Training lief von den Positionen her gleich wie das Erste. Ich war wieder Zweiter, allerdings hatte ich das Gefühl, das der Grip weniger geworden war. Mein Auto rutschte mehr, was aber auch daran liegen konnte, das die Reifen schon einige Kilometer drauf hatten. Wir haben noch mal zwei verschiedene Dämpfer- abstimmungen gegeneinander versucht und ich war richtig zuversichtlich für das Zeittraining, da ich mich in meinem Auto richtig wohl fühlte.

Qualifying
Mit dem Zeittraining war ich nach der Performance des Freien Trainings gar nicht zufrieden. Wir hatten eine super Windschatten-Taktik. Wir sind drei Mal mit neuen Reifen raus und ich hab mir mit Augusto in jedem Run gegenseitig Windschatten gegeben. Der Windschatten hat auch perfekt geklappt. Mit dem ersten Satz neuer Reifen habe ich in der kurvigen Stadtsektion sehr oft quer gestanden und es hat recht lange gedauert, bis mein Auto dieselbe Balance wie im freien Training hatte. Für den zweiten Run haben wir den Luftdruck ein wenig angepasst, aber der erwartete Grip den neue Reifen normalerweise haben, war immer noch nicht da. So konnte ich mich auch beim dritten Outing nicht verbessern und war am Schluss nur enttäuschender Zehnter.

Warm Up
Von der Position her war das Warm Up wieder o.k. Ich war sechster, aber habe keinen richtigen Rhythmus gefunden. Es war viel Verkehr auf der Strecke und viele Autos waren langsam unterwegs. Mein Auto war nicht schlecht, aber ich hatte immer noch das Gefühl, das ich immer noch nicht den Grip hatte, wie in den ersten freien Trainings.

Erstes Rennen
Mein fliegender Start war recht gut und ich konnte mich auf der zweiten Geraden schon neben dem vor mir gestarteten Tarquini setzen. Auf der nächsten Geraden ist er mir dann allerdings wieder davongefahren und ich konnte mich als Zehnter in das Nadelöhr nach der langen Geraden, der Lisboa Kurve, einreihen. In der Stadt war mein Auto eigentlich gut, aber in den zwei letzten Kurven vor Start und Ziel habe ich in den ersten beiden Runden zu starkes Untersteuern gehabt, weshalb ich zu langsam auf die lange Gerade kam. In der ersten Runde konnte mich dann aus dem Windschatten Thompson und eine Runde weiter auch Porteiro überholen. In der dritten Runde war das
Untersteuern dann fast weg und ich konnte wieder attackieren. Portiero hat mich dann ziemlich aufgehalten, weshalb vor ihm eine etwas größere Lücke zu Larini entstanden war. Felix hat sich in der sechsten Runde dann selber eliminiert und ist in einen Reifenstapel gefahren. Ich konnte zwar die Lücke zu Larini wieder zufahren, aber ihn nicht mehr überholen. Am Ende bin ich in diesem enttäuschenden Rennen nur Zehnter geworden.

Zweites Rennen
Über das zweite Rennen ist recht schnell berichtet. Mein stehender Start war gut und ich konnte mich vor der ersten Kurve neben Menü setzen. Beim Einbiegen in die erste Kurve war ich dann allerdings so weit außen, das ich auf den dreckigen und rutschigen Teil der Strecke abgedrängt wurde und leicht vom Gas musste. Das hat dann der zweite Honda im Feld ausgenutzt und konnte mit mehr Schwung auf der Geraden an mir vorbeigehen. In der nächsten Runde war ich dann wieder ganz eng an Cuoto dran. Beim Einfahren in die enge Lisboa Kurve, nach der langen Geraden, hat er sich wohl ein wenig vertan und ist stumpft in den Reifenstapel vor der Leitplanke gefahren. Ich habe noch versucht innen an Cuoto vorbeizukommen, aber der ist von den Reifen auf die Strecke zurückgeschleudert worden wie ein Flummi. Ich konnte nicht mehr ausweichen und bin ihm voll ins Heck gedonnert. Mein Auto war nach dem Crash so stark beschädigt, das das Rennen für mich vorbei war.

Durch den Nuller in Macao bin ich leider auf den siebten Platz der Meisterschaft abgerutscht und natürlich ziemlich enttäuscht über den Ausgang der Saison. Speziell wenn man sieht, dass in den letzten drei Jahren immer noch alle drei Hersteller einen Fahrer, der hätte Meister werden können, mit nach Macau gebracht haben. In diesem Jahr konnte nur noch ein Seatpilot Champion werden, was die Überlegenheit der Diesel in diesem Jahr zeigt.

Ich möchte hier allerdings dem diesjährigen Champion Ivan Muller recht herzlich gratulieren. Seat hat in diesem Jahr einen klasse Job gemacht und somit eine verdienten Weltmeistertitel mit nach Spanien genommen.

Ich will mich aber, was viel wichtiger ist, bei meinem Team und bei BMW bedanken. Ich bin echt extrem stolz darauf für so eine tolle Truppe und für solch ein Werk fahren zu dürfen, und möchte nur sagen, das es für mich eine große Ehre ist für BMW und mit dem Team Schnitzer zu arbeiten. Danke nicht nur an meine Truppe, die einen sensationellen Job gemacht haben, sondern an alle aus dem Team, die mir in diesem Jahr ein so tolles Arbeitsgerät zur Verfügung gestellt haben. Speziell möchte aber natürlich meinen Ingenieuren und den Jungs meines Auto danken denen ich mal wieder viel Arbeit und auch schlaflose Nächte beschert habe. DANKE!!!

So, jetzt geht es noch ein paar Mal zum Testen und dann geht für mich eine wirklich lange Saison zu Ende. Fürs nächste Jahr ist für mich im Augenblick noch nichts fix, aber ich hoffe das BMW im nächsten Jahr wieder in der WM an den Start gehen wird und es gibt ja auch ein Projekt in Amerika mit dem neuen M3. Ich würde mir auf jeden Fall wünschen wieder dabei zu sein.

So, das war es erst mal aus Macau aber ich werde mich in diesem Jahr auf jeden Fall noch mal melden.

Also bis dann.
Euer Jörg

Quelle: jorg-muller.com

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