Porsche Cup – König der Cups
Wer ist eigentlich der erfolgreichste Porsche-Markenpokalfahrer? Patrick Huisman mit seinen vier Meistertiteln im Supercup? Oder ist es Roland Asch, der die Frühzeit der Cups mit 31 Siegen beherrschte? Falsch. Es ist einer vom anderen Ende der Welt. „Kiwi“ Craig Baird führt die ewigen Markenpokalbestenliste in aller Deutlichkeit an.
Die schwierigste Frage, die man „Bairdo“ stellen kann, ist die nach der Anzahl seiner Siege in den Porsche-Markenpokalen. „Ganz ehrlich, ich weiß es wirklich nicht“, lacht er nach kurzem Nachdenken und nippt – ganz Australien-like – wieder an seinem Bier. In einer Stunde wird die Porsche-Meisterfeier in Weissach beginnen und dann wird er einer der Hauptdarsteller des Abends werden. Gleich drei Mal bitten ihn die Moderatoren auf die Bühne, um jeweils einen glänzenden Pokal und vor allem auch die Ovationen der mehr als 600 Gäste entgegen zu nehmen. „Lass’ mich noch mal nachdenken“, grübelt der 38-jährige Familienvater aus Gold Coast im Kreis seiner australischen und neuseeländischen Kumpels, die mit ihm ins Schwabenland gereist sind. „Es müssten um die 80 bis 85 Rennsiege auf einem Markenpokal-Porsche sein“, rechnet er die Erfolge von seinem ersten Start im australischen Porsche Carrera Cup im Jahr 2004 in Sandown hoch. „Hundert sind es ganz sicher noch nicht, aber vielleicht kann ich diese runde Zahl ja 2009 schaffen.“ Rein statistisch betrachtet sollte es ein lösbares Problem für ihn sein. Jahr für hat er 11,5 Rennen auf einem Cup-Elfer gewonnen.
Bei der Ermittlung der exakten Zahl seiner bisherigen Erfolge können wir Craig Baird übrigens gerne ein wenig helfen: racecam.de hat mit Hilfe der australischen und neuseeländischen Kollegen nachgerechnet. 81 Siege sind in dem halben Jahrzehnt zusammenkommen. 32 davon – vom ersten Erfolg 2004 in Surfers Paradies – hat er bei seinen 86 Starts im australischen Carrera Cup erzielt. Bei jedem dritten Cup-Rennen hieß der Sieg Craig Baird. Eine beachtliche Ausbeute, die mit den 70 Podiumsplatzierungen noch mehr an Bedeutung gewinnt. Effizienz nennt man so was. Wenn schon Rennsport, dann bitte richtig, scheint die Devise des Herrn Baird zu sein. Dass dabei sozusagen vollautomatisch noch zwei Meistertitel (2006 und 2008) herausspringen, nimmt der am 22. Juli 1970 in Hamilton (NZ) geborene Rennprofi und Fahrinstruktor gerne zur Kenntnis.
Nach drei Meistertiteln in der Formel Atlantic und vier im neuseeländischen Tourenwagensport wechselt er in Richtung Porsche-Markenpokale. In Neuseeland lässt er sich dann noch mal 49 Rennsiege in der GT3 Cup Challenge gut schreiben lassen. Seit 2003/2004 wird diese Meisterschaft ausgetragen und nur ein einziges Mal hieß der Champion nicht Craig Baird: Bei der Premiere lässt er freundlicherweise Altmeister Jim Richards den Vortritt, um dann aber Anspruch auf die Dauerkarte des Motorsports zu erheben. Seit dem Jahr 2005 lässt er sich bei jeder Porsche-Meisterfeier als Challenge-Sieger ehren, gewinnt im Regelfall jedes zweite Rennen, das in Neuseeland ausgetragen wird.
Damit aber zurück zu denen, von denen wir in Europa annahmen, sie hätten die meisten Laufsiege auf ihrem Rennkonto. Patrick Huisman zum Beispiel: Der Niederländer fegt seit einem Dutzend Jahre durch die Porsche–Markenpokal. Im Supercup ging mehr als zehn Jahre lang kein Weg an ihm vorbei. Vier Meistertitel und 24 Rennsiege, sowie einer – 1996 in Helsinki im deutschen Carrera Cup – weißt seine Vita auf. Oder Roland Asch: Der mittlerweile 58-jährige Schwabe beherrschte die Frühzeit der Cups. Im 944 Turbo Cup, der von 1986 bis 1989 ausgetragen wurde, musste er sich nur im ersten Jahr seinem schwäbischem Landsmann Jockel Winkelhock geschlagen gegeben. Danach folgte der lupenreine Meister-Hattrick. 1990 gönnt er sich ein Jahr Meister-Pause, holt ein Jahr später wieder den Titel, diesmal im Porsche 911. Die achtzehn Siege im Porsche 994 und die zwölf Erfolge im Elfer im deutschen Porsche Carrera Cup summieren sich mit seinem einzigen Supercuperfolg 1999 in Hockenheim zur beachtlichen Zahl von 31 Rennsiegen auf.
Im Vergleich zu Craig Baird kommt er damit auf ein knappes Drittel der Erfolge des Neuseeländers. Eins gereicht aber den Herren Asch und Huisman zu Ehren: Craig Baird fährt pro Wochenende deutlich mehr Rennen als die Kollegen in Europa. Die Organisatoren des australischen Carrera Cups und der neuseeländischen GT3 Cup Challenge mögen’s heftig. Wenn schon ein Rennwochenende – dann bitte richtig. Bis zu drei Mal pro Wochenende geht’s auf die Piste.