Jörg Müller – Stärkster BMW auf einer neuen Strecke in einem für uns neuen Land
Ich hatte mich vorher schon unheimlich auf das für mich neue Land gefreut und die neue Strecke war in einem super Zustand, allerdings mal so gar nicht für BMW. Es gab keine richtige Kurven, sondern nur Schikanen und so konnten wir unser gutes Fahrwerk nicht nutzen.
Es kam nur auf ein gutes Leistungsgewicht und auf gute Bremsen an. Trotz alle dem, habe ich zwei gute Rennen gefahren und bin mit sechs Punkten als bester BMW Fahrer nach Hause geflogen.
Test, Freitag 01.05.09 15:00 Uhr
Um die Strecke kennen zu lernen, durfte ich vor dem WTCC Training schon mal fünf Runden mit unserem M3 GT 2 zu Demozwecken fahren. Die Strecke war welliger als gedacht. In unserem ersten freien Training war ich allerdings nur Zwölfter, jedoch in guter Gesellschaft von allen Werks BMWs. Vorne waren wieder mal die Seats und dazu kamen jetzt auch noch die Chevys, die vom Reglement her bei der dritten Veranstaltung 60 Kilos gegenüber uns verloren haben. Die Strecke war nur Stop and Go, das heißt alle Schikanen waren im zweiten Gang und das Beschleunigen, das heißt die Motorleistung war das Wichtigste. Ich war eine Runde hinter Gene im Seat, der hat mir aus der Spitzkehre vor Start und Ziel bis zur ersten Schikane mehr als 50 Meter abgenommen. Bei den Chevys hat sich einfach das Gewicht so stark bemerkbar gemacht. Mein Auto war zwar nicht perfekt aber ein Potenzial von zwei Sekunden zum schnellsten Seat von Ivan Muller habe ich auf keinen Fall gehabt. Ich werde irgendwie das Gefühl nicht los, das Seat mit allen nur spielt, und die immer nur so schnell fahren wie sie müssen.
Freies Training 1, Samstag 02.05.09 09:00 Uhr
Für mich ist es diesmal von der Platzierung her etwas besser gelaufen. Ich konnte mich als Siebter platzieren und war nur noch eine Sekunde vom schnellsten Seat entfernt. Wir haben am Anfang des Trainings Windschatten geübt, der hier im Zeittraining mit Sicherheit wichtig sein wird. Komisch war, dass ich mehr als eine halbe Sekunde schneller war als die anderen BMW´s. Mein Auto war auch besser. Wir haben die hintere Feder härter gemacht, was mir in der ersten Schikane und beim Einlenken geholfen hat. Ein Problem hatte ich aber immer noch mit einer blockierenden Hinterachse und auch die Bremsen vorne schienen zu einem Problem zu werden. Die Bremsscheiben waren nach jedem Training total eingelaufen.
Freies Training 2, Samstag 02.05.09 12:00 Uhr
Wir haben für dieses Training das Differential mehr gesperrt und die Dämpfer vorne etwas weicher gemacht, um besser über die Curbs der Schikanen zu kommen. Ich war wieder schnellster Werks-BMW, aber nur noch neunter. Mein Auto war auch nicht echt besser, allerdings waren die Reifen auch älter als im ersten Training am Morgen. Das Training war aber auch ein bisschen chaotisch, da es zwei rote Flaggen gab und danach die ganze Zeit Gelb in der Spitzkehre vor Start und Ziel geschwenkt wurde. Schnellster BMW war Franz Engstler mit seinem eigenen Team.
Qualifying, Samstag 02.05.09 15:00 Uhr
In Quali 1 bin ich hauptsächlich als Windschattengeber für Augusto unterwegs gewesen, der in der Meisterschaft bis jetzt die meisten Punkte für BMW eingefahren hat. Wir sind zweimal mit neuen Reifen raus gegangen und es hat irgendwie nicht so funktioniert wie es sollte. Meine Reifen haben erst ab der dritten Runde richtig angefangen zu arbeiten. Es gab mal wieder zwei Rotphasen wegen Unfällen und bei meinem dritten Run habe ich mich dann entschieden mit gebrauchten Reifen weiterzufahren. Bis zu diesem Zeitpunkt war ich Elfter und somit nicht für das letzte, Top-Ten-Quali, qualifiziert. Ich habe mich dann hinter einem Seat gehängt und konnte mich im Windschatten auf Platz acht schieben.
In Quali 2 bin ich dann wieder auf neuen Reifen raus. Ich habe mich wieder hinter die Seats gehängt. Ich war hinter Monteiro und habe versucht mich immer wieder zu ihm hinzubremsen. In der ersten Schikane war ich schon wieder recht nah dran, aber dann kam die erste lange Gerade. Tiago ist mir mit seinem Power auf der nächsten Geraden wieder mehr als 50 Meter weggefahren, aber vor der zweiten Schikane konnte ich mich auch wieder ranbremsen. Ich war dann wohl etwas zu schnell in der zweiten Schikane und beim rausfahren bin ich etwas Quer aufgekommen und es hat mir meinen hinteren rechten Reifen von der Felge gezogen. Ich war halt mit 110 Prozent unterwegs und das war wohl zu viel für das Material. Am Ende konnte ich mich trotzdem als Neunter qualifizieren und war somit wieder schnellster Werks-BMW.
Warm Up, Samstag 02.05.09 10:00 Uhr
Ich habe im Warm Up erst einmal neue Bremsen für das erste Rennen anfahren müssen, was mich drei Runden gekostet hat. Danach war noch Zeit für zwei gezeitete Runden, in denen ich wieder die schnellste BMW Zeit fahren konnte. Ich war nur fünf Zehntel hinter dem Schnellsten, Ivan Muller.
Rennen 1, Samstag 02.05.09 13:00 Uhr
Ich hatte einen guten Start, aber noch auf der Start- und Zielgeraden war Menü rechts neben mir an der Mauer. Ich hab ihm Platz lassen müssen und bin leicht nach links gezogen und hab Franz Engstler leicht berührt, der auf der anderen Seite neben mir war. In der ersten Kurve konnte ich mich dann vor Menü einreihen und habe plötzlich von hinten beim Anbremsen der zweiten Kurve einen riesigen Schlag bekommen.
Rickard Rydell ist mir aufs Hinterrad gefahren, aber ich konnte mich als Achter nach der zweiten Kurve einreihen. Ich habe mich dann das ganze Rennen hinter Menü halten können, der aber auf den Geraden viel schneller war als ich. So konnte ich das Rennen auch als Achter beenden, was für mich die Pole Position für Rennen zwei bedeutete.
Rennen 2, Samstag 02.05.09 14:15 Uhr
Beim fünf Sekunden Schild habe ich die Handbremse gezogen, meinen ersten Gang eingelegt, und auf die Ampel geschaut. Ich konnte dabei auch meinen Rückspiegel sehen und habe gedacht „Was machst Du da eigentlich“. Hinter mir waren nur blaue und gelbe Autos und ich wusste, dass das wohl ein richtig schwieriges Rennen werden würde, da die Chevys und die Seats auf den Geraden so viel schneller waren als ich.
Mein Start war wieder mal super und ich war auch nach der ersten Schikane vorne. Auf der nächsten Geraden habe ich aber den Chevy von Menü immer größer werden sehen, habe aber die erste Schikane auf der letzten Rille angebremst. Menü hat trotzdem versucht mich auszubremsen und ist innen an mir vorbeigerutscht. Er hat es allerdings nicht in die zweite Schikane geschafft und ich konnte ihn wieder innen überholen.
Danach kam durch einen Unfall eine Pacecar-Phase und ich hatte erst mal wieder ein wenig Luft zum Durchatmen. Beim Restart war ich wieder vorne, aber hinter mir war dann Larini, der auch wesentlich schneller auf den Geraden war. Vor der zweiten Schikane musste ich mich wieder verteidigen und hab ganz innen angebremst. Larini hat mich dann leicht berührt und ich musste die Schikane etwas abkürzen. Ich war die nächsten Runden vor Larini, der mich immer wieder sehr fair angegriffen hat. Bis in Runde acht konnte ich mich vorne verteidigen, bis Nicola mir in der Spitzkehre vor Start und Ziel leicht ins Heck gefahren ist und mich ein wenig von der Linie gebracht hat. Bei dieser Aktion hab ich mir recht viel Dreck auf den Reifen aufgesammelt und bin beim Herausbeschleunigen leicht in die Mauer eingeschlagen. Auf der nächsten Geraden sind dann gleich zwei Autos an mir vorbeigeschlüpft und plötzlich war ich Vierter. Ich konnte das Rennen danach als Vierter beenden und war somit wieder schnellster BMW und konnte mir weitere fünf Punkte auf mein Konto schreiben.
So, das war eins der schwersten Wochenenden, die ich je in der WTCC gehabt habe. Gerade Rennen zwei war für mich wirklich schwierig. Ich hatte allerdings ein super Auto und freue mich jetzt schon auf unser nächstes Rennen in Pau, in Frankreich. Da gibt es endlich wieder ein paar Kurven, wo wir mit unserem Auto besser aussehen sollten. Also weiter die Daumen drücken,
Euer Jörg