Harald Becker – Gemischte Gefühle in Silverstone
Leider verliefen meine beiden ersten Rennen in der FIA GT3-Europameisterschaft nicht ganz wie erhofft. Am Freitag im freien Training habe zum ersten Mal Bekanntschaft mit dem Ford GT gemacht. Nach den ersten Runden habe ich schon festgestellt, dass ich etwas mehr Eingewöhnungszeit für den Ford brauche, als ich erwartet habe. Der Ford ist zwar wie mein letztjähriger Lamborghini im ADAC GT Masters ein Mittelmotorsportwagen, hat aber ein gänzlich anderes Fahrverhalten.
Mit dem Ford muss man die Kurven anders fahren, schon sehr früh am Kurveneingang wird das Auto auf der Hinterachse nervös. Man braucht daher sehr viel Vertrauen in das Auto um schnell zu sein, an diese Grenze kann man sich erst langsam herantasten. Auch für meinen Teamkollegen Christian Hohenadel war der Ford Neuland. Leider hatten wir im zweiten freien Training ein Getriebeproblem, dadurch verloren wir wertvolle Trainingzeit.
Im Zeittraining für das erste Rennen reichte so mangels Erfahrung mit dem Auto nur für Startplatz 32. Im Rennen haben Christian und ich dann allerdings ordentlich Gas gegeben. Ich habe den Start gefahren und als ich den Ford an Christian Hohenadel übergab, hatte ich schon sieben Gegner überholt. Auch Christian war anschliessend richtig schnell unterwegs und arbeitet sich trotz schwerer Erkältung noch bis auf Position 12 vor!
Einen herben Dämpfer bekamen wir allerdings in Rennen zwei am Sonntag. Christian fuhr den Start und machte einen Super-Job. Er übergab mir den Ford auf Platz neun liegend. Leider wurde ich dann in meiner zweiten Runde ziemlich heftig abgeschossen. Am Ende der Start-Ziel-Geraden fuhr mir aus heiterem Himmel ein Porsche mit Topspeed ungebremst auf das Heck. Der Fahrer war vom Bremspedal abgerutscht und auf das Gas gekommen. Ich flog ziemlich heftig ab, habe mir aber zum Glück ausser einer leichten Gehirnerschütterung nichts schlimmes getan. Unser gutes Rennen war damit vorbei. Extrem schade, da wir problemlos mindestens auf Platz sieben oder acht hätten fahren können.
Für das Team tut mir der Abflug besonders leid, auch wenn er von mir unverschuldet war. Fischer Racing startet schon am kommenden Wochenende in Assen im ADAC GT Masters, da müssen die Jungs nun leider ordentlich schrauben um den GT wieder rechtzeitig hinzubekommen.
In Silverstone habe ich festgestellt das der Ford GT nicht leicht zu fahren ist, aber ein enormes Potential hat. Der Ford braucht halt eine etwas längere Eingewöhnungszeit und dafür haben mit mir Silverstone einfach noch Fahrpraxis gefehlt. Fischer Racing hat den Ford allerdings auch perfekt vorbereitet, ich habe mich dort sehr gut aufgehoben gefühlt. Wie meine Rennsportsaison nun weitergeht entscheidet sich in den kommenden Tagen. Allerdings hat mir die FIA GT3 Europameisterschaft schon sehr gut gefallen. Die Meisterschaft ist fantastisch und bietet mit knapp Fahrzeugen von 12 Herstellern eine Vielfalt die Ihresgleichen sucht. Ich halte euch auf dem laufenden wie es mit meinen Plänen weitergeht.
Euer Harald Becker